Königliches Gemüse Spargel
Es ist wieder soweit, die Spargelzeit hat begonnen und wir genießen sie in vollen Zügen. „Weißes Gold“, „essbares Elfenbein“ oder auch „Frühlingsluft in Stangen“, für den Spargel gibt es viele Bezeichnungen. Wahrscheinlich ist es das saisonale, was den Spargel so besonders macht. Wenn das Wetter milder wird und die Sonne wieder wärmt, lockt es auch den Spargel aus der Erde. Doch spätestens an Johanni, also am 24. Juni sollte man den letzten Spargel ernten, denn ansonsten sticht man die Pflanze kaputt und sie produziert im darauffolgenden Jahr keinen Spargel mehr. Fragt man Spargelliebhaber, liegt die Besonderheit natürlich im einzigartigen Geschmack, zart und intensiv zugleich.
Geschichte des Bleichspargels
In Deutschland herrscht seit je her der weiße Spargel vor. Ursprünglich ist der Spargel aber grün. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts hat man viel experimentiert, um den grünen Spargel zu ‚bleichen‘. In Holland wurde damals herausgefunden, dass man die Farbstoffbildung des Spargels verhindern kann, wenn er während des Wachstums vor Lichteinwirkungen geschützt wird.
Die wildesten Konstruktionen wurden ausprobiert, wie Glocken oder Röhren aus Holz, Glas oder Ton, die über die Spargelpflanze gestülpt wurden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts löste man das Problem, in dem man über den Spargelpflanzen Erde anhäufelte, die den Spargel während des Wachsens vor der Sonne schützte. Noch heute werden Erddämme über den Spargelpflanzen gezogen, um sogenannten Bleichspargel anzubauen.
Anbau des köstlichen Gemüses

Hier wird vorwiegend mit verschiedenen Folien gearbeitet. Es gibt dünne Antitaufolien, die entweder direkt über die Dämme gezogen werden oder in Form von Minitunneln gewächshausartig über die Spargelreihen errichtet werden und eine frühere Ernte ermöglichen. Um Erntemengen zu regulieren und die Qualität des Gemüses zu erhalten bzw. zu verbessern werden dickere Folien gebraucht, die auf der einen Seite weiß und auf der anderen schwarz sind. Diese kann man auch einsetzen, wenn es zu warm ist. Bei zu viel Wärmestrahlung wird dann einfach die weiße Seite nach oben gedreht und so das Wachstum des Spargels verlangsamt. Bei ausreichend Niederschlag und angenehm, warmen Temperaturen, wächst der Spargel dann bis zu 5cm pro Tag.
Die Ernte – eine Wissenschaft für sich

Frisch gestochener Spargel muss schnellstmöglich gewaschen, geschnitten, sortiert und gekühlt werden, damit er frisch und knackig bleibt. Es gibt schon viele Hilfsmittel und Maschinen, die das Waschen und Schneiden des Spargels vereinfachen. Dennoch ist der Spargel ein sehr empfindliches Gemüse, sodass die einzelnen Spargelstangen einzeln per Hand auf die Wasch- und Schneidemaschinen aufgelegt und abgenommen werden müssen. Insgesamt durchläuft eine Spargelstange somit ungefähr 9-10 verschiedene Handpaare bevor sie zum Verkauf angeboten werden kann.
Sortierungen und Geschmack
Verschiedenes Aussehen, also auch verschiedener Geschmack? Alleine schon beim Bleichspargel gibt es zahlreiche Sortierungen. Im Hofladen des Spargelhofes Audick kann man Spargel in allen Variationen kaufen: Bleichspargel der 1. Sortierung, das heißt der Spargel ist weiß, geradlinig gewachsen, mit festgeschlossenen, weißen Spitzen, gleichmäßig lang und etwa 2-2,5cm dick. Außerdem gibt es aber auch weißen Spargel mit blauen Spitzen, dünnen Spargel, Jumbos – also ganz dicken Spargel, für Feinschmecker nur die Spargelspitzen und daneben noch grünen und sogar violetten Spargel.
Welcher Spargel schmeckt jetzt also wie?

Fachmänner beschreiben den Geschmack von Bleichspargel als feiner, wohingegen grüner Spargel intensiver schmecken soll. Dem violetten Spargel sagt man nach, dass er eine ‚nussigere‘ Note habe. Für welchen Spargel man sich auch entscheidet, man sollte darauf achten, dass er frisch ist. Dies erkennt man daran, dass die ‚Füße‘ also die Spargelenden nicht ausgetrocknet sind und die Stangen etwas quietschen, wenn man sie aneinander reibt.
Fotos: Die Aufnahmen wurden auf dem Spargelhof Audick in Ibbenbüren gemacht.



